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Freitag, 9. September 2016

Das Vergessen ist super - weitere Phänomene

Die Zeit vergeht und das ist eine große Hilfe. Mittlerweile mach ich nicht nur Rehasport mit Yoga und Pillates, sondern bin auch in einem normalen Fitnessstudio eingeschrieben und trainiere da neben den ambitionierten Sportlern und Muskelaufbauern. Im Alltag hab ich selten Probleme mit der schwangerschaftsassoziierten Osteoporose. Immer wieder Blockaden, die ich aber immer besser selber lösen kann.
Die Suche nach einer Arbeit ist zur Zeit meine Aufgabe. Ich hab mich schon entschieden, 8 Stunden würde ich nicht schaffen. Ich brauche dann doch noch Ruhe und mal eine Stunde Liegen bevor ein Nachmittag mit Kindern beginnt.
Ansonsten hab ich glücklicherweise vieles vergessen, wie es war, als es besonders schlimm war. Nur bei einigen Anlässen fiel es mir wieder ein. Hier habe ich mal einige Phänomene gesammelt, die ich hatte:
  • Ich konnte den Rücken nicht krümmen: Vor dem Kaiserschnitt bei der PDA ging das nicht, da hatten aber die Mediziner wegen dem großen Bauch eine Erklärung. Nach der Geburt konnte ich mich nicht mal zum Wasserhahn vorbeugen, ich musste immer die Knie beuge. Es zog heftig, wenn ich versucht habe (mit Gewalt) den Rücken zu krümmen.
  • Einmal wollte ich einen großen Topf Kartoffeln abgießen, ich konnte den Topf keinen Millimeter vom Herd anhebeben, er hätte da auch festgenagelt sein können.
  • Nur beim Arzt habe ich es gemerkt: Wenn man auf dem Rücken neben die Wirbel drückt, tut es heftig weh.
  • Beim Gehen über Türschwellen in ein Raum der ca. 3 Zentimeter tiefer liegt, schmerzte die Wirbelsäule. Es fühlte sich so an, wie wenn man beim schnellen Schlittenfahren vom Schlitten direkt auf den Steiß fällt oder auf Eis ausrutscht. Das gleiche war auch bei Bordsteinkanten so.
  • Beim Husten tat der Rücken weh. Ich erhielt den Tipp mich dabei auf einem Tisch fest abzustürzen, langsam ging es auch im Stehen mit bewusster Körperspannung. Jetzt ist Husten kein Problem, wenn ich diverse Muskeln anspanne.
  • In der Schwangerschaft konnte ich gar nicht sitzen, ich lag viel, was natürlich nicht gut ist. Am PC hab ich auf allen Vieren gesessen mit auf gestützten Ellenbogen, die Frauenärztin hat mir diese Haltung verboten, da dann irgendwas mit der Durchblutung der Kinder ungut ist.
  • Schmerzmittel habe ich drei Wochen genommen, dann tat das ISG trotzdem so weh, dass ich sie absetzte - es wurde nicht schlimmer, die Schmerzmittel hatten einfach keine Wirkung. Ich wollte die Schmerzmittel trotz dringendem medizinischem Rat auch nie wirklich nehmen, weil ich Angst hatte, ich übernehme mich dann. Ibuprofen und Paracetamol haben auch nach dem Kaiserschnitt keine Erleichterung gebracht. Ich hab mal gehört, dass auch bei anderen Betroffenen ein Zusammenhang zwischen der Krankheit und den Wirkungslosigkeit von diesen Medikamenten beobachtet worden sein - das ist aber wohl noch Forschungsgebiet.
  • Nach der Geburt konnte ich sichtlich länger als andere mit Kaiserschnitt nur mühsam aufstehen. Ich musste mich zwingend auf die Seite rollen und dann mit den Armen langsam abstützen.
  • Beim Stillen zwirbelte es in den Beinen.
  • Die Wehen taten sehr sehr weh, ich hab aber glücklicherweise vergessen ob es auch im Rücken weh tat. Im Nachhinein gruselt mich die Vorstellung, dass ich mit den brüchigen Wirbeln da 24 Stunden Wehen hatte. 
  • Als ich zur Diagnosefestigung in die Klinik rein ging, hatte mich mein Partner mit dem Auto direkt vor die Tür gefahren. Ich konnte ein paar Schritte ohne Krücken laufen, dann musste ich sie aber benutzen. Der Wechsel auf die Krücken passierte einmal genau vor dem Eingang ins Krankenhaus. Da hörte ich dann den Spruch "Simulant".
  • Ein Jahr nach der Diagnose habe ich mich langsam an mein Leben vor der Schwangerschaft erinnert, wie es da mit dem Rücken war. Mir fiel auf, dass ich noch nie lange gerade und still dasitzen konnte. In Vorlesungen, bei langen Kneipenabenden und im Büro wechselte ich dauernd die Position, weil es anders nicht ging. Ich wunderte mich ganz unterbewusst, wie andere Menschen so ewig sitzen können. 

Donnerstag, 24. März 2016

10000 Übungen

Seit vielen Monaten hab ich jetzt wieder mit Physiotheraphie begonnen. Außerdem hat mir der Orthopäde einen Antrag für Rehasport gegeben, den die Krankenkasse auch umgehend genehmigt hat. Jetzt kann ich 50 Mal zu einem Yoga-Fitness-Zentrum gehen, das Rehasport anbiete.
Bisher habe ich bei der Physiotherapie jede Woche mindestens zwei neue Übungen erhalten. Auch bei den Yogastunden kamen einige Übungen dazu, genauso wie letztes Jahr beim Rückbildungskurs. Einige kann man im Alltag einbauen, z.B. der Hund aus dem Yoga zum Aufstehen. Oder Oberkörper nach vorn während die Knie eingewinkelt werden für das Zähneputen usw.
Gesammelte Übungen
Zu den Übungen gehörte auch auf den Zehen stehen, die Arme in die Luft zu heben. Am Anfang waren die Übungen eigentlich gar nicht viel, eher "Grundspannung". Als dann nach vier Monaten die ersten Muskelaufbauübungen dazu kamen freute ich mich richtg. Zu den Übungen gehört auch richtige Bauchatmung, auf Zehen stehen, lange Schritte machen, beim Sitzen die Beine in den Boden stemmen, viele dynamsiche Bewegung mit Armen und Theraband, auf einem Sitzball kreisen, auf Trampolin schwingen, Arme gegen die Wand drücken, winzige Muskelpartien am Rücken gezielt anspannen. Durch die wöchentlichen Sitzungen bei der Physiotherapie werden die Übungen natürlich immer an die Fortschritte angepasst. Alte Übungen sind irgendwann so leicht, dass sie wohl nicht mehr viel bringen.
Viele Übungen habe ich mir notiert, ich kann aber nicht alle durchführen ... die letzten Monate war ich auch einfach zu faul bzw. wegen Vortrag und Urlaub vorbereiten hab ich eine Auszeit gehabt.
Leider hatte ich bei der letzten Yogastunde nicht auf die Lehrerin gehört und die Übung Kerze und Pflug gemacht, sie hatte mir gesagt, dass dies nichts für mich sein. Nun merke ich seit Tagen, dass es nichts für mich war. So schlimme Rückenschmerzen hatte ich schon lange nicht mehr - schreckliche Angst vor Wirbelbrüchen und Bandscheibenvorfällen inklusive. Man bin ich ein Idiot. Erst lange nichts machen und nun Übungen machen, die sogar normale Leute ohne schwangerschaftsassoziierter Osteoporose heftig finden.

Sonntag, 31. Januar 2016

8000 Km Autofahren


Sechs Wochen waren wir jetzt auf Reisen im VW-Bus mit Kindern. Die südöstlichsten Spitze Europas in Portugal war unser Ziel. Es gibt einiges zu berichten. Das gute zuerst: ich habe es überlebt.
Das Auto das wir uns dafür gekauft hatten, hatte den Vorteil, dass man hinten angeschnalt liegen konnte während der Fahrt, also musste ich nicht sitzen. Ein Kind jeweils links und rechts neben mir.
Es gab ein paar Gepäckstücke die nur wegen meiner Osteoporose dabei waren und schon eine Menge Platz wegnahmen, weswegen es sehr eng war. Dazu gehörte der Kinderwagen, denn sonst hätte ich nie allein mal einen Ausflug mit den Babys machen könne. Nur auf wenigen Ausflügen hat der Papa beide Babys im Tragetuch getragen, wenn es keinen Fahrweg gab. Etwas weniger Platz aber auch noch groß war die Kühl-
Autofahren im Halbliegen mit Babys
Box für die Knochenaufbauspritze. Der Arzt sagte mir ich sollte nicht so lange Zeit auf sie verzichten. Für die Kühlbox haben wir eine zweite Batterie einbauen lassen, so dass insgesamt die Kühlbox noch mal 500 Euro gekostet hat. Auch einen Gasflasche nahmen wir mit, die wir aber selten nutzten, da wir auch oft in Unterkünften übernachten wo es Kühlschränke gab. Der dritte Gegenstand für die Osteoporose war da schon relativ klein und billig; eine dicke Isomatte. Das Schlafen auf dieser war aber trotzdem nicht sonderlich toll. Auf einem Campingplatz für Kletterer haben sich am Nachbartisch mal alle jungen Sportler über Rückenschmerzen beim Campen unterhalten, also stand es mit mir nicht so schlecht. Aber das Schlafen war oft nicht toll und ich brauchte diverse Extrakissen für Knie und Rücken.
Kinderhochstühle mussten auch zweimal mit, alles andere wäre anstrengend beim Essen gewesen, aber sicher auch für andere Eltern.
Eine ganze Box brauchten wir auch für die Milchfläschchen, aber auch dies würde für andere Eltern zutreffen.
Es war eng im Bus und man musste immer Boxen und Taschen umherräumen, das war nicht rückenfreundlich, nach den ersten Tagen versuchte ich das nicht mehr zu machen. Das bedeutete aber, das ich beim Packen nicht viel helfen konnte außer auf die Babys aufzupassen. Die war jedoch sehr wichtig, da sie sich oft in der neuen Umgebung nicht wohl fühlten und intensive Betreuung brauchten.
Kiste, Flasche, Tasche, Kühlpacks und alles für die kleine Spritze
Besonders schön fand ich es selber Autozufahren. Die Physiotherapeutin meinte dabei spannt man mehr Muskeln an. Und außerdem musste ich mich in der Zeit des Autofahren nicht um die Kinder kümmern was auch entspannt war. Maximal bin ich wohl ein zwei Mal vier Stunden also ca. 400 km am Stück selber gefahren.
Die Babys krabbeln zur Zeit wie verrückt, es gab nur wenige Momente in denen dies entspannt war und ich sie nicht von A nach B zurück tragen musste. Überall gab es verbotene Sachen wie Treppen, Kamine, Mülleimer, unbekannte Pflanzen, starken Dreck, Sachen die leicht zerstörbar sind usw. Und wenn ich die Babys ins Zelt einsperrte, weinten sie wenn ich nur mal schnell auf Toilette ging. Dahin mit tragen ging nicht. Dies alles machte die Reise für mich zu einer der anstrengensten, Backpacking durch Indien war ein Klacks dagegen.
Als Luxus hatte ich mir ein paar Langzeitwärmekissen zum Knicken mitgenommen, die ich dann für einen Tag um binden konnte.
Ich hatte auch wenig Zeit für Yoga oder Phsiotherphieübungen. Es gab auch weniger Gelegenheiten zum Liegen in den Ferienwohnungen oder auf den Campingplätzen. Mit Mitreißenden saß man dafür jedoch viel herum und quatschte, aß oder spielte - das war zumindest gut für die Psyche. Auf gesunde Ernährung hatte ich wegen dem Reisestreß gar keine Lust und gerade in Spanien gab es so leckeren Schinken.
Ein paar Dinge waren jedoch auch gut (für die schwangerschaftsassoziierte Osteoporose). Es gab viel Sonne, es war oft warm und ich kam mal von zu Hause weg und konnte die Welt wieder mit anderen Augen sehen ... Und ich hab was geschaft, wovon ich vor ca. 10 Monaten gedachte hätte, das könnte ich nie wieder: lange lange Auto fahren.

Montag, 21. Dezember 2015

Blogschreiben

Viele Posts die ich hier aller paar Wochen veröffentliche, habe ich lange schon vorbereitet. Weil ..., ja weil man das so macht, wenn man ein guter Blogger sein will, hab ich mal gelesen.
Das coole an der Sache ist bezüglich der schwangerschaftsassoziierten Osteoporose, ich muss die alten vorbereiteten Posts vor dem Veröffentlichen immer, aber auch immer aktualisieren. Nicht weil ich unzufrieden mit dem Ausdruck, Grammatik und Rechtschreibung bin; da bin ich hier etwas schmerzfrei. Sondern weil viele Phänomene, die ich beschreibe, verschwinden. Da schreibe ich im Entwurf des Posts, dass ich mich zum Hochnehmen der Kinder immer neben sie legen muss und zwei Monate später wenn ich den Post veröffentlichen möchte, da ist das schon längst passé. Da muss ich dann halt schreiben "eine Zeit lang habe ich ... nun aber kann ich schon ..." Da sag ich nur Juhu!
Und nun muss ich diesen Post ergänze, dass ich ab und zu beide Kinder tragen muss. Da sich oft Situationen ergeben aus denen beide sofort genommen werden müssen, z.B. wenn sie sich einer Treppe nähern. Das sind dann ca. 20 Kilogramm.
Leider denkt man zwischen durch immer nichts wird besser. Erst wenn ich dann in einer seltenen Situation bin merke ich, ah das hast du doch vor einem Monat noch nicht gekonnt.

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Wieso schreib ich eigentlich diesen Blog?

Wieso schreib ich diesen Blog, frage ich mich in den letzten Wochen immer wieder. Mir geht es doch gut, mein Leben unterscheidet sich jetzt wenig von dem anderer Mütter. Meine größte Sorge ist, dass die Kinder nachts immer noch aufwachen und ich deshalb manchmal Schlafprobleme bekomme, obwohl der Vater nachts allein für sie zuständig ist und ich also schlafen könnte.
Gut ich habe einmal mit dem Blog angefangen, also muss es auch zu Ende gebracht werden. Andere schreiben Blogs aus alltäglicheren Anlässen. Und ganz normal ist es ja nun auch doch nicht.
Gestern musste ich mir aus der Uniklinik wieder mal das Rezept für die Knochenspritze abholen, die Busfahrt dahin und schlechtes Liegen nachts hatte danach bis jetzt für eklig Schmerzen gesorgt.
Schmerzen; wie fühlen die sich an? Ich will es nicht beschreiben, sie sind aushaltbar, jedoch kommt bei vielen Schmerzen auch immer wieder ein Flashback, wie schlimm es mal war. Wenn es irgendwo zippt, dann sind die Ängste schlimmer als die Schmerzen. Die Schmerzen sind spätestens beim Liegen in Ordnung. Wenn es also zippt, dann erinnere ich mich wieder, wie es war, wie ich zusammenbrach, mich nicht bewegen konnte und die Kinder dann ohne Hilfe waren.
Ich hatte mein Leben lang keine Rückenschmerzen gekannt (mit Ausnahme der Schwangerschaft ...), außer Verspannungen im Nacken, nun hatte ich Rückenschmerzen, die mich in die Knie zwangen. Der erste Zusammenbruch passierte als ich im Vierfüßlerstand auf dem Bett die Babys hin und her legte. Vermutlich war ich da ein Moment nur auf den Knien und der Oberkörper nach vorn gebeugt. Diese Position kann ich seid ein paar Wochen wieder mit großer Anspannung einnehmen. Vorher zippte es noch bedrohlich. Bei diesem ersten Mal "blockierte" sich auch irgendwelche Wirbel, ich brach zwischen den Kindern zusammen und fühlte mich wie zweigeteilt und konnte gar nicht aufstehen (vielleicht hatte ich da auch den Bandscheibenvorfall bekommen). Mein Partner rief ich um Hilfe, er brachte mich wieder nach oben. Die Blockierung konnte die Pysiotherapheuten mit einer einfachen Bewegung wieder raus bringen, seid dem gab es nur kleinere ähnliche Blockierungen. Recken und Strecken und kleine Bewegungen bringen da etwas.
Nach dem ersten Zusammenbruch hieß es "Muskeln sind zu schwach" + ISG-Blokaden + keine Bauchmuskeln wegen dem riesigen Bauch + loses Bindegewebe wegen Stillen. Angst vor Folgen von PDA bestanden am Anfang auch noch. Mit der ersten Diagnose lebte ich dann 2 Monate in denen ich immer wieder zusammenbrach und sehr verzweifelt wurde, teilweise konnte ich mir die Zusammenbrüche erklären; ich hatte halt viel "Sport" gemacht, z.B. vier Stunden wandern (ohne Gepäck).
Warum bin ich nicht zum Arzt gegangen: Ich war zu Hause allein, konnte die Babys nicht tragen und konnte so gar nicht zu einem Arzt gehen. Und die Babys wollten ja fast stündlich was trinken. Ich war also nur bei der Frauenärztin wegen PDA und bei einem Chiropraktiker, der nicht viel fand.
Es gab ganz bunte Symptome: Mal hatte ich keine Kraft zu sitzen. Mal fühlte sich alles super überentspannt an, so als ob ich keine Muskeln mehr hätte - wie bei Babys. Ich war aber so motiviert wieder zu sitzen, dass ich es versuchte, an einem Tag brauchte ich eine Stunde bis es klappte. Dazu musste ich aber heftig alle Muskeln bis zum Beckenboden anspannen. Es erinnerte mich an die Szene aus dem Film Kill Bill in dem die Protagonistin, aus dem Komma erwacht und erstmal eine Weile ihre Füße anschaute und ansprach "bewegt euch". Mehr als Vorstellen von Bewegungen ging oft nicht. Oft zuckte ich im Bett beim Biegen des Rückens ins Holkreuz zusammen (manchmal waren die Babys auf mir und wurden mit gezuckt... ). Wenn mein Partner im Bett lief, konnte ich die Bewegungen, die er verursachte nicht ausgleichen mit den nicht vorhandenen Muskeln und ich zuckte zusammen. Wir zogen dann für drei Monate auf das Sofa, das schön hart war und nichts wackelte und ich mit einer Kiste unter den Beinen in Stufenlagerung sechs Wochen geschlafen habe, die Babys dabei auf mir. Der Gang ins Bett war super kompliziert: es mussten diverse Kissen für mein Hohlkreuz, die Kiste und viele besondere Kissen für die Lagerung der Babys links und rechts neben mir an definierten Stellen liegen. Dann konnte ich mich da hin rollen und die Babys - die vorbereitet links und rechts lagen, zu mir ran rollen, zerren und ziehen. Aufstehen ging nur, in dem ich mich an einem Regal hinter dem Bett hoch zog.
Nach dem Zusammenbrechen hatte ich immer wieder den Ehrgeiz auf Toilette gehen zu müssen, weil ich Angst vor Bettlägrigkeit hatte. Das ging auch immer, aber dafür musst ich an einigen Tagen besagte Zeit warten, bis ich aufstehen und mit Krücken mich bewegen konnte.  An anderen Tagen hangelte ich mich an Möbeln und Türleisten entlang. Wiederrum an anderen Tagen und vor allem Nächten bin ich auf allen Vieren gekrabbelt. Das wurde von Anderen zwar als würdelos empfunden, aber ich wollte unbedingt aufs Klo. Und dann gab es auch das eine oder andere Mal, als auf allen Vieren auch nicht ging, weil die Muskeln im Rücken diese große Fläche nicht tragen konnten da konnte ich nur auf Knien, mit abgestützten Oberkörper vorwärts rutschen. Beim Zusammenbrechen krampfte die Muskulatur eine Weile. Ich musste dann teilweise eine halbe Stunde liegen, bis es langsam wieder ging. In dieser Zeit hatte ich zu Hause immer das Handy bei mir, damit ich Hilfe rufen kann. Allein zusammenbrechen ist ja "ok", wenn man nach einer Weile wieder aufstehen kann, aber die Kinder musste ja jemand betreuen. 
Die Verzweiflung war groß, weil es keine Besserung gab sondern jedes Mal irgendwie schlimmer und länger wurde. Ich hatte dann schlimmen Husten bekommen, der so richtig das Kraut fett gemacht hatte. Aber ich redete mir Hoffnung ein: war glücklich das ich auf Krücken in der Wohnung umherlaufen konnte und kuckte mit Angst auf jeden vorbeifahrenden Rollstuhl - sollte das meine Zukunft sein: Nein! Sarkastisch gesehen, ging ein Rollstuhl sowieso nicht, weil ich nicht lange sitzen konnte.
Aus Nichtwissen, hab ich immer wieder falsche Bewegungen gemacht. Im Nachhinein kann ich mir einige erklären: Tragen von Kindern, Drehbewegung beim Fensteröffnen, Husten, beim Aufstehen Oberkörper zu weit nach vorn u.ä. Andere Zusammenbrüche sind vollkommen unerklärlich und kamen aus dem Nichts. Das passierte alles immer zu Hause, wo ich etwas Zeit hatte auf dem Boden zu liegen. Als es dann einmal einfach beim Spazieren passierte, riefen vorbeifahrende Radfahrer den Notarzt - ich war es ja gewöhnt und hatte es fast als normal eingestuft. Der Notarzt lies mich allein auf die Trage grabbeln, wunderte sich über meine Gelassenheit und brachte mich ganz langsam ins Krankenhaus. Da ahnte ich dann eher aus den Reaktionen des medizinischen Personals, dass es doch doof um mich bestellt ist - weil sie so was sich nicht erklären konnten. Im Krankenhaus war ich für zwei Stunden, komfortabler weise hatte ich für das Stillen der Kinder ein extra Warteraum bekommen. Der Orthopäde testete mich auf Bandscheibenvorfall. Dafür muss man sich u.a. auf Zehenspitzen und Ferse stellen - das ging. Er empfahl mir aber, wegen der Krankenhauskeime mit den Zwillingen wieder zu gehen und ambulant ein MRT zu machen. Ich war froh nicht länger im Krankenhaus zu bleiben, hätte aber da bleiben können, zu Hause stillen war angenehmer. Ich fand schon die vier Tage nach der Geburt im Krankenhaus mit Zwillingen Horror: Da man sie kaum ins Bett nehmen kann, weil sie sonst runter fallen und nur in diesem Glaskasten schlafen durften.
Das MRT gab es wegen Verdacht auf Bandscheibenvorfall dann zwei Tage später, nach dem Wochenende auch die Diagnose. Nach der Diagnose hab ich glücklicherweise nie mehr eine falsche Bewegung gemacht, zwei Monate war ich sehr starr herumgelaufen und dadurch brach ich wohl nicht mehr zusammen.
Wenn ich mich jetzt daran erinnere, bin ich wieder froh, wie gut es mir schon ein paar Wochen nach der Diagnose ging und erst recht jetzt. Die Krücken sind im Keller.
Ach, ja jetzt weiß ich auch warum ich den Blog schreibe: Es ist eine Möglichkeit das Erlebte zu verarbeiten. Private Psychotherapie also.

Mittwoch, 23. September 2015

Schrumpfung

Als ich mich kurz nach meiner Diagnose gemessen habe, war ich genau 168 cm groß, so groß wie es seit meinem ersten Ausweis amtlich festgestellt wurde. Das war zumindest nach der Diagnose ganz erfreulich.
Heute früh komme ich auch mit dicken Socken nicht mehr auf die 168 cm. Ich bin geschrumpft?! Es ist vielleicht ein halber Zentimeter.
Ein paar meiner weiblichen Vorfahren waren auch recht klein geworden im späteren Alter. Liegt es in der Familie? Ich werde in einem Jahr eine weiter Messung machen.
Nachtrag vom September 2016: Ich erreiche nicht mehr die genauen 168 cm, bin aber auch nicht kleiner als 167,5 cm geworden.Vielleicht handelt es sich nur um Meßfehler.
Nachtrag November 2016: Ich hab heute an einer Umfrage teilgenommen. Dazu musste ich einen individuellen Teilnehmercode erstellen, damit ich später auch noch mal teilnehmen kann. Ein Teil dieses Codes bestand aus meiner Körpergröße: Ich wußte nicht was ich da schreiben sollte. Da ich als Soziologin auch solche Umfragen gestaltet habe, find ich es ganz interessant, dass die Körpergröße nun doch nicht für jeden Menschen unveränderlich ist. Für ältere Frauen ja nun gar nicht.