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Freitag, 7. Juli 2017

1. Arbeitswoche 1. Arbeitsmonat

Geschaft! Die erste Arbeitswoche ist vorbei. Hier ein Protokoll:
Ich musste zweimal täglich für drei Stunden sitzen. Da mein Lebensgefährte auch noch auf Dienstreise war, war es extra schwer zu Beginn:
1. Tag: Hilfe, Aua schaff ich das wirklich? Antrag auf einen höhenverstellbaren Steh-Sitz-Tisch bei der Arbeitsagentur eingereicht. Auch das abwechselnde Sitzen auf dem Swober bringt nichts. Das ist ein Sitz, den mir mein Arbeitgeber zur Verfügung gestellt hat. Der Sitz schwingt in alle Richtungen auch kann man so hüpfen wie auf einem Sitzball. Abends geheult, weil der Rücken so weh tut. Träume von einer Liege fürs Büro. Bürostühle mit Liegefunktion gibt es auch, sind aber natürlich teuer und das Richtige hab ich auch nicht gefunden.
2. Tag: Bekomme erst nächste Woche Laptop kann also das nicht höhenverstellbare Stehpult, was mir auch mein Arbeitgeber zur Verfügung gestellt hat, nicht nutzen. Zur Mitagszeit mit Kollegin ein längeren Spaziergang gemacht, da auch sie weiß, dass dies gut für die Gesunheit ist. Meine Vorgesetzte hält auch viel von Bewegung. Opa hat die Kinder abgeholt. Das war eine Erleichterung. Nachmitags konnte ich mich hinlegen. Aber Kinder sind kränklich und wenn es nicht meine erste Arbeitswoche geweseen wäre, hätte ich sie nicht abgegeben. Blöde Situation.
3. Tag: Hab an meinem Stuhl alle Einstellungen überprüft. Und hab die Idee für eine fast-Liegeposition mit Hilfe eines Sitzsacks. Tagsüber auch mal für fünf Minuten auf den Boden hingelegt, weil es so weh tat. Zu Hause allein mit etwas kränklichen Kinder. Das war wieder nicht leicht. Froh früh in Bett zu kommen. Aber der Rücken tut nicht so extrem weh wie am ersten Tag.
4. Tag: Sitzsack ausprobiert. Mithilfe eines Hockers konnt ich fast Liegen: Scheint zu funktionieren. Es darf nur keiner zur Tür hereinkommen. Aber alle sind gerade im Urlaub. Opa hat die Kinder abgeholt und mein Lebensgefährte war auch wieder da. Erleichterung ich kann mich Nachmitags mal hinlegen.
5. Tag: Keine großen Beschwerden, nutze Sitzsack sehr viel. Abwechselnd auch mal Hocker und Knien auf dem Stuhl. Nach Arbeitsende den Sitzsack aber versteckt. Den er ist giftgrün und hat die Form eines Frosches. Das wirkt nicht so seriös, wie ich es sein sollte ;-) Papa holt die Kinder ab. Nachmitags Zeit zum Ausruhen: herrlich. Da bin ich fit für den Abend. In ein paar Monaten hätte ich sicher jetzt auch die Kraft Einkaufen zu gehen. Nächste Woche ist der Papa wieder auf Dienstreise. Aber dann ist es auch entspannter, weil ich jetzt schon vieles gelernt habe. Wenn dann die Dienstreisen aufhören wird es sicher noch besser.

X-ter Tag im ersten Monat:
Jo es läuft. Hab super Glück. Der Sitzsackfrosch ist immer noch meine Stütze und es gibt Tage an denen der Rücken so toll weh tut, dass es mich an "alte" Zeiten erinnert. Aber ich hab die Theorie, dass es wenig mit dem Sitzen zu tun hat. Vielleicht liegst an der doofen Matratze nachts.  Bald sind wieder drei Wochen allein zu Hause: davor hab ich etwas Angst. Aber zwei Wochen allein ohne Partner hab ich ja schon geschaft. Ein "Rehastuhl" ist auch beantragt, vom Arbeitgeber, aber ich bezweifle, ob der Antrag Erfolg hat. Alle Kollegen, denen ich bisher angedeutet habe, warum ich ein anderen Tisch oder Stuhl brauche, haben 100 % Verständnis, vor allem weil ich angeben kann, dass ich eine anerkannte Behinderung habe. Auch den grünen Frosch versteck ich jetzt nicht mehr. Es interessiert also niemanden wie ich in meinem Kämmerlein sitze. Sind ja meist auch viele junge Doktoranden, die auch gern mal die Füße auf den Tisch legen, weil es sich so bequemer arbeitet.
Höhenverstellbarer Tisch und Frosch

Arbeiten macht wieder Spaß, vor allem nach dem ich vor zwei Jahren Angst hatte, nie wieder arbeiten zu können in meinem Beruf. Zufällig ist die Stelle für mich auch noch einmalig. Also ich bin zur Zeit super glücklich, wie alles ist. Und ich bin eine ganz andere im Vergleich zu derjenigen, die den Blog hier begonnen hat ;-)

Nachtrag nach 4 Monaten:
Wenn ich in meinem kleinem Büro allein sitzen kann wie ich will ist alles bestens (dank tollem Stuh und Tisch).  Ab und zu muss ich aber mal ein Weiterbildung besuchen: also 8 Stunden sitzen, auf meist doofen Stühlen.( Ich arbeite an der Uni)  Meine Erfahrung bisher. Wenn ich dem Dozenten kurz erkläre, ich hol mir ein besseren Stuhl, bzw.  stell mich immer mal für 30 Minuten hin, oder lümmle so rum, dann stoße ich auf absolute Akzeptanz. Auch die andern (Doktoranden) akzeptieren das zu 100 %. Das ist so toll! Diversity lebe hoch!

Sonntag, 17. Juli 2016

Nein danke, ich hasse sitzen

Ein Leben ohne Sitzen
Sitzen ist für die Lendenwirbelsäule anstrengender als Stehen und Gehen. Nach einer Weile sitzen merk ich das. Zur Zeit ist das immer noch nach ein, zwei Stunden der Fall. Mehr als zwei Stunden hab ich das letzte Jahr nicht gesessen, außer beim Autofahren. Ich meide sitzen, wo ich kann. Nach dem Essen wasch ich lieber ab, als zu sitzen. Autofahrten möchte ich kurz halten, am Computer schreib ich im Stehen oder Liegen. Im Wartezimmer stehe ich auch lieber. 
Andere Leute bieten gern einer "Kranken" ein Sitz an, dass mir das gar nicht nützt, dass versteht fast keiner, auch die nicht, dennen ich das schon erklärt habe.
Die Flasche konnte ich den Babys gut im Liegen geben. Beim Brei war das schon etwas schwieriger. Anfangs hab ich sie auf den Boden auf einer Tischdecke gefüttert und ich lage daneben auf einer dünnen Matratze. Als sie mobiler wurden musste ich sie schon einklemmen, dann saßen sie in den Autositzen und ich fütterte sie im Stehen auf dem Tisch. Als sie dann anfingen, richtig zu essen, ging es mit meinem Rücken auch besser. Es ist jetzt OK die Essenszeit zu sitzen. Dabei halte ich den Rücken gerade.
Ich vermute, das meine Unfähigkeit zum Sitzen aber kleine soziale Folgen verursacht. In Gesellschaft sitz ich eben nicht gern, also bin ich da seltener dabei, wenn es darum geht nach dem Abendbrot noch zusammen zu sitzen. Auch wenn mir den Rücken nicht unbedingt weh tut, habe ich mittlerweile das Stehen und Umherlaufen als Verhalten internalisiert. Mein Partner hat mich schon das ein oder andere Mal darauf hingewiesen. Die Kinder haben auch Probleme am Tisch zu sitzen und zu essen - aber sie sind 1,5 Jahre. Ich vermute da ist mein negatives Vorbild nicht allein schuld.
Zu Beginn dachte ich noch, wie soll ich mich entspannen, wenn ich nicht sitzen kann. Aber es geht natürlich im Liegen. Ich hab mich gut daran gewöhnt. Es gibt auch prima Liegestühle für Hof und Garten. Da kann man so halb liegen und ist dabei.

Dienstag, 24. Mai 2016

Liegen im öffentlichen Raum

Das Liegen im öffentlichen Raum unterliegt vielen Beschränkungen. Ich hab dieses Thema in Verbindung mit der schwangerschaftsassoziierten Osteoporose an erzwungenen "Selbstversuchen" soziologisch beobachtet (ich bin Soziologin). Liegen im öffentlichen Raum wird z.B. an Bushaltestellen bewusst verhindert, in dem man ungemütliche Bänke einsetzt. Diese Maßnahmen werden in erster Linie gegen Obdachlose eingesetzt. Aber auch wenn man deutlich nicht als Obdachtloser interpretiert wird, ist Liegen nicht überall sozial erwünscht, wo es physikalisch möglich wäre. 
Bei der Osteoporose geht es nicht um das Schlafen über Nacht, sondern nur um kurzzeitiges Ruhen von vielleicht einer halben Stunde. Undenkbar ist es, sich einfach in ein ruhige Ecke eines Kaufhauses zu legen, sofort wäre Security da. In Notfällen wäre das vielleicht möglich, aber dann würde jemand den Notarzt rufen. Es passierte mir bei einer Ruhepause direkt neben einem Parkweg, dass Spaziergänger mich besorgt gefragt haben, ob ein Krankenwagen notwendig sei.
Wenn man nicht nach Notfall aussieht wirkt man recht lässig im Liegen. In der gut gefüllten Bahn wurde ich, wie bereits erwähnt, unfreundlich aufgeforderd mich zu setzen. Hatte ich jedoch die Gelegenhiet mit Mitreisenden meine Krankheit zu schildern, erhielt ich volles Verständnis (solang der Zug nicht überfüllt war).

Ausruhen im Liegen im Park
Es gibt Orte und Zeiten, da kann man unauffällig Liegen trotz anderer Menschen: im Schwimmbad, am Strand, beim Wandern, in der Natur und im Sommer auf der Wiese. Auch auf Parkbänken ist es möglich. Insbesondere zur Mittags- und Nachmittagszeit erregt Liegen keinen Anstoß. Früh am Morgen und Abends würde man schon mehr Anstoß erregen und Nachts würden es viele Menschen merkwürdig ansehen bzw. Ordnungshütter auch einschreiten. Auch auf Spielpätzen ist es nicht so einfach zu liegen, da dort von anderen erwartet wird, dass man um seine Kinder umherrschwirrt. Ist man allein auf dem Spielplatz und gibt es dort evtl. sogar noch irgendein geeignete Fläche zum Liegen sieht es schon wieder besser aus. Auch in größeren Kinderspielecken in Warenhäusern kann man eine Möglichkeit finden, sich mal neben die spielenden Kinder zu legen, ohne dass es jemanden auffällt. Es gibt auch weitere Gelegenheiten, wo es keiner mit bekommt: z.B. in einer Galerie/Museum mit Ruhebank und wenig Personal und wenig Besuchern.
Bei Feiern oder Gasteinladungen ergibt sich meist auch immer eine Liegegelegenheit. Es wird auch von allen Leuten akzeptiert. Teilweise wird es jedoch von den Menschen bemerkt, dass jetzt eigentlich kein Zeitpunkt zum Liegen ist, indem ein Kommentar gemacht wird. Wenn es die Situation zulässt, die eigene Krankheit zu erklären, dann habe ich immer vollstes Verständnis erhalten oder sogar bequeme Kissen und Decken bekommen.
Auf Arbeit zu liegen, dass geht bei einem Bürojob technich gesehen ganz gut. Ich liege jetzt z.B. auf dem Sofa und schreibe diesen Text im Liegen. Die Akzeptanz ist jedoch sicher sehr gering, selbst wenn man den Grund kennt. Bei Berufen mit möglichen Besuchern im Bürozimmer ist es dann schon ausgeschlossen. Es wäre jedoch gut im Sinne der Inklusion von "Behinderten", dass auch auf der Arbeit Liegen akzeptiert werden würde bzw. auch beim Warten in der Arztpraxen/Fernverkehrsfahrzeugen eine einfache Möglichkeit dafür zur Verfügung stände. Lange Flugzeugreisen hab ich eh immer gehasst und mir gewünscht, da könnte ich einfach liegen. Der Run auf die freien Reihen zeugt davon, dass dies nicht nur mir so geht.